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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Das Fremdpsychische bei Rudolf Carnap

2 Fremdpsychisches in der Erkenntnistheorie

Man wird schnell feststellen, dass diese etwas naiv formulierten Fragen auf einen zentralen Untersuchungsgegenstand der Erkenntnistheorie abzielen: die Beschaffenheit und Erkenntnismöglichkeit des Fremdpsychischen.

Bei dieser philosophischen Suche nach dem Bewusstsein anderer Menschen geht es wie bei den meisten erkenntnistheoretischen Fragestellungen um ein prinzipiell naturwissenschaftliches oder metaphysisches Wissen, "und zwar in Abgrenzung von Meinen und Glauben. Wissen ... liegt erst dann vor, wenn zur Haltung des Überzeugtseins ... die ... Kenntnis von guten Gründen hinzukommt, die zur Bestätigung oder Rechtfertigung der fraglichen Aussagen hinreichen" (Brockhaus S. 86). Gerade wegen diesem hohen Anspruch der objektiven, das heißt unparteiischen, Wissenschaftlichkeit an die untersuchten Bereiche, können zentrale "Probleme erkenntnistheoretischer Untersuchungen ... im Kern als unlösbar und dabei sehr einfach und grundlegend verstanden werden" (Wiki_Erkenntnis Kap. 1.1). Insbesondere ziehen sich Fragen wie "Können wir zweifelsfrei feststellen, ob wir träumen oder wachen?" beziehungsweise "Woher weiß ich, dass ein anderer Mensch ein Bewusstsein hat?" (Wiki_Erkenntnis Kap. 1.1) durch die Philosophiegeschichte. Wie kann ich formal beweisen, dass andere Personen zum Denken und Fühlen fähig sind?

Im praktischen Alltag spielen diese Gedankenexperimente meist kaum eine Rolle - wobei sich mein Lernverhalten im Vorfeld meiner Diplomprüfung sicherlich verändern würde, ginge ich tatsächlich davon aus, mein Prüfer wäre nur eine rein solipsistische (das heißt ichbezogene) Vorstellung meiner Gedankenwelt. Üblicherweise werden Diskussionen dieser Art in einem nicht darauf eingestellten Umfeld abgetan mit Aussagen wie beispielsweise: "wer bei Verstand ist, kann zwischen Traum und Realität unterscheiden" (Wiki_Erkenntnis Kap. 1.1). Aber ganz so einfach sollte man es sich in meinen Augen nicht machen, wurden in der Geschichte der Menschheit doch schon allzu viele vermeintliche Tatsachen widerlegt durch Theorien, die zunächst den intuitiven und scheinbar offensichtlichen Annahmen widersprachen.

Und so verwundert es nicht, wenn man im Verlauf der Geschichte der Erkenntnistheorie als philosophische Disziplin immer wieder auf ähnliche Probleme stößt, die bis heute nicht eindeutig beantwortet sind. Auch in Bezug auf das Fremdpsychische stellt sich "die Frage, wann so gute, überzeugende Gründe vorliegen, dass von Wissen gesprochen werden kann bzw. unter welchen Bedingungen für Aussagen das Prädikat 'wahr' angemessen ist" (Brockhaus S. 86). Selbstverständlich gibt es dazu in den verschiedenen philosophischen Epochen und Strömungen unterschiedlichste Antworten. Im Folgenden möchte ich aus dieser Vielzahl an Möglichkeiten kurz einige wenige beleuchten, welche in meinen Augen einen entscheidenden Einfluss auf Carnaps Erörterungen zum Fremdpsychischen gehabt haben.

 

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