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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Saturday, 18.09.2021)

Das Fremdpsychische bei Rudolf Carnap

2.1 Der cartesianische Dualismus von Denken u. Ausdehnung

An erster Stelle ist hier sicherlich René Descartes zu nennen, der oft als Begründer der neuzeitlichen Philosophie, insbesondere des so genannten Rationalismus, gilt. Die zentralen Begriffe seiner "Erekenntnistheorie ... sind mathematischer und physikalischer Herkunft" (Brockhaus S. 69), das heißt ihnen liegen vor allem vernünftige, gedanklich konzipierte Schlussfolgerungen zu Grunde. Insbesondere findet damit eine Abgrenzung zum Aufbau eines philosophischen Systems auf Basis rein sinnlicher Erfahrungen statt. In seinen Werken erfährt man im Rahmen eines strengen "methodischen Zweifels" an allem bisher für wahr Geglaubtem, dass letztlich nur eine Einsicht als unbezweifelbar angesehen werden kann: "Ich denke, also bin ich" (Discours 4. Abschnitt). Descartes greift diese einzig stabile Gewissheit auch in seinen philosophischen "Meditationen" auf und integriert damit auch die oben genannten Fälle der Täuschungsmöglichkeit durch Traum, Roboter oder einen prinzipiell möglichen Dämon. Selbst ein sehr schlauer Betrüger kann dieses rational begründete Fundament der eigenen Existenz nicht erschüttern: "mag er mich nun täuschen, soviel er kann, so wird er doch nie bewirken können, dass ich nicht sei, solange ich denke, ich sei etwas" (Meditationen S. 79).

Um nun auf Basis dieser gesicherten Existenz des Ich eine weiterführende Konstruktion der Welt durchführen zu können, muss Descartes dieses Ich näher bestimmen. Dazu unterscheidet er das allumfassende Sein in einerseits das denkende Ich ("res cogitans") und andererseits die Welt der Dinge ("res extensa"), "die der Reduktion der Körperwelt auf reine Ausdehnung ... in physikalischen Zusammenhängen folgt" (Brockhaus S. 69). Die folgenschwere Konsequenz dieser Aufteilung ist ein bis heute heftig diskutierter Dualismus, der in der Literatur häufig als "Leib-Seele-Problem" bezeichnet wird (vgl. bspw. Wiki_Geist).

Insbesondere im Hinblick auf das Fremdpsychische ergeben sich aus dieser Trennung zwei grundlegend verschiedene Zugangswege zu den eigenen geistigen Zuständen auf der einen beziehungsweise zu den geistigen Zuständen anderer Personen auf der anderen Seite. Der erste, gewissermaßen privilegierte Zugang über direkte innere Wahrnehmungen "zeichnet sich ... dadurch aus, dass ich diese Zustände unmittelbar erleben und direkt beobachten kann ... Sie besitzen damit für mich bestimmte subjektive Erlebnisqualitäten" (Schumacher S. 2). Ganz anders steht es mit der Beurteilung der res extensa. Wegen der prinzipiellen Täuschungsmöglichkeit ist es logisch und erkenntnistheoretisch unmöglich, "von der Existenz des einen denkenden Ich auf die Existenz weiterer Ichs zu schließen" (Wiki_Solipsismus Kap. 1). Descartes veranschaulicht dies folgendermaßen: "Da sehe ich gerade zufällig ... Leute auf der Straße vorübergehen; ich bin gewohnt ... zu sagen: ich sehe sie. Was sehe ich denn außer Hüten und Kleidern, unter denen auch Automaten stecken könnten?" (Meditationen S. 93).

 

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