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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Saturday, 18.09.2021)

Das Fremdpsychische bei Rudolf Carnap

4.3 Ein Beispiel zur Veranschaulichung dieser These

Zur exemplarischen Veranschaulichung des Fundamentalsatzes beschreibt Carnap folgende Situation (vgl. Scheinprobleme S. 67f). Wir betrachten zwei Psychologen, wobei der eine (im Folgenden "Solipsist" genannt) eine idealistische, ja sogar solipsistische, und der andere (im Folgenden "Realist" genannt) eine realistische Auffassung des Fremdpsychischen vertritt. Nun sind beide Forscher dazu aufgerufen, eine Person "A" psychologisch zu untersuchen. Wie sie in ihrer wissenschaftlichen Ausbildung gelernt haben, urteilen beide über den psychologischen Zustand hinsichtlich verschiedenster Aspekte der Person A immer in der gleichen Art und Weise, und zwar begründet durch die jeweiligen wissenschaftlichen Kriterien, die sie festzustellen gelernt haben und nun an Person A sicher diagnostizieren können.

An dieser Stelle darf ohne Beschränkung der Allgemeinheit vernachlässigt werden, dass in einer realen Situation zwei unterschiedliche Forscher in einem Punkt auf Grund der Beobachtung durchaus zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Dies hat keinen Einfluss auf den Verlauf dieses Beispiels, da die unterschiedlichen Ergebnisse hier in der Regel von einer unterschiedlichen Gewichtung und Weiterverarbeitung einzelner Beobachtungen herrühren und damit im Nachhinein die Resultate beeinflussen.

Sei also nun beispielsweise die Untersuchung des Freude-Zustandes der Person A an der Reihe. "Ob die Freude des A wirklich sei oder etwa nur vorgetäuscht ..., darüber kommen beide Forscher auf Grund der empirischen Kriterien der Psychologie zur Übereinstimmung ... Gehen sie dann aber von der Psychologie zur Philosophie über, so entsteht der Widerstreit. Der Solipsist behauptet, real sei nur das beobachtete, physische Verhalten des A ...; aber das Bewusstsein des A sei nicht real. Der Gegner behauptet dagegen, A zeige nicht nur dieses bestimmte physische Verhalten ..., sondern A habe darüber hinaus auch wirklich Bewusstsein" (Scheinprobleme S. 67f). Wendet man nun auf diese Situation den Fundamentalsatz an, dann werden damit beide Standpunkte für sinnlos erklärt - und zwar auf Grund einer mangelnden "Sachhaltigkeit" der beiden Argumentationen. Um diesen zentralen Begriff verstehen zu können, gehen wir zunächst einen Schritt zurück und beschäftigen uns mit der Methode der erkenntnistheoretischen Analyse.

 

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