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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Saturday, 18.09.2021)

Kontinuierliche Verbesserung als Managementtechnik

2.2.1 Der klassische Ansatz des Scientific Managements

Die Jahrhundertwende um 1900 ist geprägt vom Kapitalismus und einer vielversprechenden Entwicklung in der Technologie. In einem solchen Umfeld gewinnen Fragestellungen an Bedeutung, die auf eine Steigerung der Produktivität auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse abzielen. Frederick Winslow Taylorfuss14, einst Lehrling, Ingenieur und später Direktor eines Stahlunternehmens in Pennsylvania (USA), gilt als einer der Vorreiter der Betriebsorganisation im Allgemeinen und als Vater des Scientific Managements im Speziellen. Ihm geht es nicht um eine Ausbeutung der Arbeiter, sondern um eine wissenschaftlich fundierte Optimierung der Arbeitsbedingungen, beispielsweise im Hinblick auf Lärm, Beleuchtung, Bewegungsabläufe, Pausengestaltung et cetera mit dem Ziel der Produktivitätserhöhung (Hopfenbeck, 1996, S. 210).

Gleichzeitig haben viele Arbeiter vor allem in den größeren Städten keine Festanstellung, sondern müssen sich tagtäglich um eine Arbeitsstelle bemühen. Ob sie damit trotz langer Arbeitszeiten und harter Bedingungen sich und ihre Familien unterhalten können, hängt zum Großteil von der Qualität ihrer Arbeit ab und zwar gemessen an den Anforderungen seitens der Unternehmensführung (Probst, 1992, S. 419ff). Diese Anforderungen sind sehr starr definiert und an den damaligen wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgerichtet, um die Geschäfte möglichst rationell auszuführen. Dies beinhaltet insbesondere eine sehr starke Arbeitsteilung und Zerlegung der Handlungsschritte in möglichst kleine Einheitenfuss15. Weil der Mensch als ein irrationales Wesen passiv ohne Eigeninitiative aufgefasst wird und nur aus Eigeninteresse Handlungen vollzieht, muss sämtliche Verantwortung und Führungsarbeit strikt von der Ausführung der eigentlichen Arbeit getrennt werden (Hopfenbeck, 1996, S. 210). Ebenso ist es notwendig, Qualitätskontrollen durchzuführen. Diese finden im Nachhinein statt und überprüfen nach festgelegten Mechanismen, ob die Arbeiter in der gewünschten Art und Weise produzieren. Auf Grund der fixierten Anforderungen ausschließlich auf eine hohe Stückzahl bei vorgegebenen Abläufen stellt eine Person, die mitdenkt und eigene (und auch möglicherweise sehr sinnvolle) Vorschläge einbringen möchte, keinen Qualitätsvorteil für das Unternehmen dar.

Der Taylor’sche Ansatz zielt weniger auf ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Degradierung der Arbeiter zu bloßen Maschinen ab, sondern vielmehr möchte man mit optimierten Betriebsabläufen gemäß den damals aktuellen Forschungsergebnissen den Mitarbeitern die höchstmögliche Tagesleistung entlocken. „Für die Anhänger dieser Lehre ist der Mensch keine Maschine, er funktioniert aber wie eine Maschine“ (Probst, 1992, S. 424). Man ist davon überzeugt, man könne diese Funktionen des menschlichen Wesens am Laufen halten, indem hauptsächlich an einer Schraube Einstellungen vorgenommen werden: am Lohn, dem einzigen Anreiz des gemeinen Arbeiters. Geht man von der Voraussetzung aus, der Mitarbeiter vermietet seine Arbeitskraft gegen Geld an das Unternehmen, ohne dabei weitere Interessen befriedigen zu wollen, ist dieser Ansatz des Scientific Managements durchaus nachvollziehbar und in sich schlüssig. „Dass mit der Erfüllung des Arbeitsvertrags auch andere Bedürfnisse verbunden sein könnten, wird nicht in Erwägung gezogen“ (Probst, 1992, S. 423).

Trotz allem wird dieser wissenschaftliche Ansatz einerseits in vielen Bereichen auch heute erfolgreich angewendet und andererseits kann dies auch durchaus sehr sinnvoll sein. Klar, die Voraussetzungen haben sich geändert und die Existenz einer Vielzahl anderer Motivatoren neben finanziellen Anreizen ist weitläufig bekannt. Letztlich basiert aber jede erfolgreiche Prozessoptimierung – ob sie in großen Sprüngen oder kontinuierlich durchgeführt wird – auf dieser Methode der genauen Untersuchung der Situation vor Ort. Viele Wissenschaftstheoretiker würden sich sicherlich freuen, wenn ein modernes Scientific Management – basierend auf aktualisierten Voraussetzungen – verstärkt den Einzug in die Organisationsabteilungen der Unternehmen finden würde.

 

Fuss       Fussnoten:

fuss14 1856 bis 1915

fuss15 Man kann hier eine Parallele ziehen zum mechanistischen Menschenbild von René Descartes zu Beginn der Neuzeit, bei dem im Rahmen philosophischer Untersuchungen alles mittels mathematischer und naturwissenschaftlicher Methoden in kleinste Einzelteile zerlegt wird, um damit den Menschen beziehungsweise das gesamte Weltbild erklärbar zu machen.

 

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