Logo
Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Kontinuierliche Verbesserung als Managementtechnik

2.2.4 Der entscheidungsorientierte Ansatz

Möchte man sämtliche Informationen und Änderungen aus der mehrdimensionalen Umweltmatrix in der Organisationsstruktur berücksichtigen, wird dies in den meisten Fällen kaum realisierbar sein. So überschneiden sich beispielsweise einige Rückmeldungen, andere widersprechen sich möglicherweise sogar. Die Herausforderung für das Management besteht in einem ersten Schritt vor allem darin, die einzelnen Faktoren zu gewichten und auszusortieren und den Mitarbeitern die definierten Ziele und Handlungsanweisungen in konsistenter Form zu vermitteln.

In einem zweiten Schritt sollte es dem Unternehmen gelingen, die verschiedenen Einheiten von den Abteilungen bis zum einzelnen Mitarbeiter so zu führen, dass sie aus freiem Willen die Struktur unterstützen und ihre Aufgaben auch innerlich vorantreiben wollen. „Das eigentliche Problem … liegt … nicht darin, wie man produziert, sondern wie man mehrere Ebenen und mehrere Zentren in eine Entscheidungsstruktur einpasst ... Denn die Leistungsfähigkeit des Unternehmens wird bestimmt durch das Netz der Beziehungsverhältnisse zwischen den verschiedenen Entscheidungszentren, von der Zweckmäßigkeit der festgelegten Ziele, dem Informationsaustausch und den Anreizen, die für die Verhaltenskonvergenzen gegeben werden“ (Probst, 1992, S. 442). Dies ist insbesondere bei der Realisierung eines kontinuierlichen Prozesses der Verbesserung (vgl. Kapitel 5.2) entscheidend, wenn Probleme über Schnittstellen hinweg beseitigt und die Lösungen von unterschiedlichen Unternehmensbereichen getragen werden sollen.

Herbert Simonfuss23, der für seine entscheidungsorientierten Konzepte 1978 den Wirtschaftsnobelpreis erhält, prägt den Begriff der beschränkten Rationalität. Gemeint ist damit die Erkenntnis, dass ein Manager nicht mehr in der Lage ist, die enorme Vielfältigkeit gepaart mit unzähligen Unvorhersehbarkeiten des Alltags klar und eindeutig in rational erreichbare Ziele kanalisieren zu können. Seine Informationsverarbeitungskapazität wird als beschränkt rational gekennzeichnet (Schuler, 1993, S. 426). Eine Entscheidung für eine scheinbar zweckdienliche Herangehensweise kann somit nur dazu dienen, die Komplexität zu bewältigen.

Weil alle Mitarbeiter mit den (stets existenten) Grenzen eines (beliebig gewählten) Informationssystems konfrontiert sind und gleichzeitig aus freiem Willen entscheiden, muss die Rolle der Autorität neu gesetzt werden: relevante Informationen müssen zugänglich gemacht und Anreize zur echten Adaption der Unternehmensphilosophie geschaffen werden. Nur so kann sich nachhaltig eine nicht erzwingbare Konvergenz der Unternehmensinteressen mit denen der Menschen einstellen (Probst, 1992, S. 443).

Ebenso werden damit die psychologischen Rationalitätsbeschränkungen jedes Individuums überwunden. Bei geschickt koordinierter Zusammenarbeit und Aufteilung eines großen Problems in kleinere Einzelbereiche gelingt damit im sogenannten Modell des adaptiven Problemlösens „der Brückenschlag von einer konsequenten Betonung der Grenzen menschlicher Rationalität zur organisationalen Bewältigung komplexer Probleme“ (Schuler, 1993, S. 427).

 

Fuss       Fussnoten:

fuss23 1916 bis 2001

 

» Inhalt       » zurück      » vor       » Quellen

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt. Gemäß dem Urheberrechtsgesetz (§51 UrhG) kann aber gerne aus diesem Text - mit Quellenangabe und Verweis auf den Autor - zitiert werden. Als Quelle bitte angeben: http://www.robert-bauer.eu/kvp.php

Der Text wurde in Zusammenarbeit mit der KARER CONSULTING erstellt. Falls nichts anderes angegeben, liegen daher die Bildrechte der Grafiken und Abbildungen bei der KARER CONSULTING sowie beim Autor. Sie dienen ausschließlich dem besseren Verständnis des hier veröffentlichten Textes und dürfen nur nach schriftlicher Zustimmung für andere Zwecke (insbesondere Veröffentlichungen und Verwendung in Präsentationen oder Konzepten) verwendet werden.

In diesem Dokument wird an einigen Stellen die Bezeichnung „ViT: Verbesserungen im Team” verwendet. Dies ist ein für die KARER CONSULTING geschütztes Markenzeichen.