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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Kontinuierliche Verbesserung als Managementtechnik

4.1.7 Flexibilität durch kleine Losgrößen und Produktion nach dem Holprinzip

Neben einer größtmöglichen Vermeidung von Verschwendung beziehungsweise einer genauen Einhaltung von definierten Grenzen maximal zulässiger Abweichungen (Variabilität) zeichnen sich schlanke Unternehmen auch durch eine starke Flexibilität hinsichtlich ihrer Leistungserbringung aus. Ein modernes Unternehmen muss sich heute sehr schnell den wandelnden Kundenanforderungen anpassen und auf Bestellspitzen nach oben als auch nach unten reagieren können. Eine Just-in-Time-Produktion soll sicherstellen, genau das liefern zu können, was aktuell vom Abnehmer gewünscht wird.

Leider wird dies noch viel zu oft durch große Lagerbestände aller Artikel im eigenen Betrieb sichergestellt, „um Kundenbestellungen schneller ausführen zu können als die Konkurrenz … Diese Strategie ist jedoch riskant, weil sie mit hohen Lagerhaltungskosten und der Gefahr von obsoletenfuss65 Beständen verbunden ist [(vgl. Abbildung 15)] … Wahre Just-in-Time-Kompetenz liegt vor, wenn die gelieferten Produkte unmittelbar als Reaktion auf die Kundennachfrage hergestellt und nicht aus dem Lager geholt werden [(vgl. Abbildung 16)]. Es wird ausschließlich der Lagerbestand geführt, den das Unternehmen braucht, um die vom Kunden gewünschten Lieferzeiten einzuhalten … Der Bestand hat hier nur die Funktion eines ‚Schmiermittels‘, das den reibungslosen Betrieb des Systems sicherstellt“ (Drew, McCallum, & Roggenhofer, 2005, S. 51f).

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Abbildung 15 – Herkömmliche Produktionsvorgänge

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Abbildung 16 – Produktion nach dem Holprinzip

Oft ist es daher – beispielsweise bei Automobilherstellern – nicht sinnvoll, für jedes Automodell eine eigene Fertigungslinie zu betreiben, sondern mehrere im selben Bereich zu produzieren. Dies würde jedoch aus den gleichen Gründen keine Vorteile generieren, wenn man nur dazu überginge, die einzelnen Modelle in großen Losgrößen zu produzieren: Modell 1 in den ersten drei Wochen, dann vier Wochen lang Modell 2 und so weiter.

Im Idealfall sollten die einzelnen Kundenbestellungen in der Reihenfolge abgearbeitet werden, in der sie eingehen, wie es beispielsweise über Warteschlangen in Banken, Bäckereienfuss66 oder durch Ticketsysteme bei einem Helpdesk realisiert wird. Aus organisationalen Gründen ist dies bei komplexen und arbeitsintensiven Produkten nicht in dieser Konsequenz möglich, weshalb oft in einer sequenziellen Arbeitsplanung das Produktionsvolumen über einen definierten Zeitraum geglättet wird. Damit wird ein Kompromiss eingegangen, der eine stetige Holquote, eine akzeptable Auslastungsverteilung der Mitarbeiterkapazitäten und einen konstanten Produktmix gewährleisten kann (vgl. Abbildung 17). Versinnbildlichen lässt sich ein florierendes Just-in-Time-System durch einen stetigen PKW-Fluss auf der Autobahn, die von möglichst vielen Kraftfahrzeugen befahren wird: dieser kann nur kontinuierlich fließen, wenn alle Spuren gleichmäßig ausgelastet sind, weder zu große noch zu kleine Abstände gehalten werden und nicht ruckartig gebremst wirdfuss67.

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Abbildung 17 – Auswirkungen unterschiedlicher Losgrößen auf die Lagerhaltungfuss68

 

Fuss       Fussnoten:

fuss65 veraltet, nicht mehr gebräuchlich

fuss66 Im Gegensatz zu einigen Schnellimbissen, in denen beispielsweise Baguettes oder Döner je nach Kundenwunsch just in time zubereitet werden, findet man in vielen Bäckereien fertig belegte Brötchen, die auf Verdacht hin im Voraus gemacht werden und abends dann oft entsorgt werden müssen. Dennoch sind auch die Fastfood-Betriebe in Bezug auf den Einkauf und die Vorbereitung der Grundbestandteile Mehl, Fleisch, Gurken et cetera auf eine gewisse Vorratshaltung angewiesen und können aus Zeitgründen zum Beispiel den Teig für das Fladenbrot nicht erst nach Bestellung des Gastes zum „Gehenlassen“ ansetzen. Hier ist ein Fingerspitzengefühl des Küchenchefs gefordert, der im richtigen Moment die richtige Menge der benötigten Zutaten für beispielsweise nur einen Tag im Voraus bestellt und bereithält. Die nicht mehr weggeworfenen Lebensmittel kommen dem Gewinn des Betriebes zu Gute – die frische Qualität dem Kunden.

fuss67 Im Rahmen meiner Tätigkeit bei der Karer Consulting pendle ich fast täglich auf der stark befahrenen Autobahn A8 von Ulm nach Göppingen. Auf der gesamten Strecke befinden sich automatisch gesteuerte Anzeigetafeln, die Informationen aus Sensoren (zur Anzahl der Autos, Wetterlage, …) verarbeiten und so die Verkehrslage bedarfsgerecht regulieren. Einige Autofahrer können aber offensichtlich mit diesen „Just-in-Time-Schildern“ nachwievor nicht richtig umgehen. So bremsen sie beispielsweise auch bei einer expliziten Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung vor den fest installierten Blitzgeräten stark ab. In der Folge treten häufiger Auffahrunfälle auf und durch das ruckartige Bremsen bilden sich schnell lokale Staus, weil auch die nachfolgenden Fahrzeuge in ihrem Fluss beeinflusst werden.

fuss68 in Anlehnung an (Drew, McCallum, & Roggenhofer, 2005, S. 54)

 

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