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Druckdatum: Thursday, 09.09.2010

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Kuriosität des Monats

Kuriosität des Monats September 2010

Henkt das Schwein - oder den Maikäfer!

Als Tierprozesse werden gerichtliche Prozesse mit Tieren als Angeklagten bezeichnet. Tierprozesse wurden vom 14. bis zum 17. Jahrhundert in Europa durchgeführt.

Abriss des Hauses, in dem eine Frau vergewaltigt wurde und Tötung der bei der Tat anwesenden Tiere wegen „unterlassener Hilfeleistung“. Illustration aus dem Heidelberger Sachsenspiegel

Bild

Bildquelle: Wikipedia, Urheber: unbekannt

Bis ins 13. Jahrhundert wurden schädliche Tiere spontan aus Rache oder Prävention ohne gerichtliches Verfahren getötet. Damit wurde die „technische Kontrolle“, die Gewalt des Stärkeren, vollzogen und Mensch und Tier auf unterschiedlichen Stufen gesehen. Seit dem 14. bis ins 17. Jahrhundert gab es gerichtliche Prozesse gegen Tiere, etwa gegen verwilderte Schweine die Kinder angegriffen, Hunde, Wölfe, Rinder oder Pferde, die sonstwie Schaden anrichteten. Sie konnten bei einer Verurteilung gehenkt, verbrannt, ertränkt, erwürgt oder lebendig begraben werden. Aber auch ein kirchliches Vorgehen mit Bann gegen massenhaft auftretende Schadinsekten wie Maikäfer war möglich, da diese – wie Sturm und Hagel – als teuflischer Versuch gewertet wurden, den Menschen zu schaden. Manchmal wie in Bern 1478 klagten die Bürger Maikäferlarven (Engerlinge) an und die Insekten erhielten tatsächlich einen Fürsprecher, der ihre Belange erklären sollte. Inwieweit man aber tatsächlich dachte, die Tiere hätten Verständnis für Anklage und Richterspruch ist unklar.

Wurde eine Frau trotz Hilferuf vergewaltigt, empfahl der Sachsenspiegel alle bei der Tat anwesenden Tiere zu töten, da deren „unterlassene Hilfeleistung“ als Indiz für den Einfluss des Teufels gesehen wurde. Der dämonische Einfluss des Täters konnte sich sogar auf den Ort der Tat und die Gegenstände dort festsetzen, weshalb das Haus, in dem ein solches Verbrechen geschah, abgerissen werden sollte. Dies galt auch für eine Burg, in der ein Verbannter Zuflucht gefunden hatte, besonders jedoch für Gegenstände, die als beseelt angesehen wurden, wie etwa Glocken. Wurde eine missbraucht, um etwa Aufständische herbeizurufen, so konnte sie als verdorben zerschlagen werden.

Hintergründe solcher Auffassungen waren unter anderen die europäische Rezession, verstärkte Häretikerverfolgungen, Inquisition, Integrierung des Offizialprozesses, Folter zur Wahrheitsfindung und die Ausweitung der Leibesstrafen. Seit dem 14. Jahrhundert waren es die Jagd auf Leprose, Juden und Hexen. Verstärkt wurden Tierprozesse in Frankreich geführt; auch in England und im Heiligen Römischen Reich fand eine Vielzahl von Prozessen statt. Weitere Länder waren zum Beispiel Italien, die Niederlande oder die Schweiz. In der frühen Neuzeit liefen sie parallel zu den Hexenprozessen. Die Anzahl der Opfer wird auf eine Zahl zwischen 150 bis zu einigen Tausend Tieren geschätzt. Vielen blieb aus dieser Zeit ein schlechter Ruf, manche wurden auch mit Hexentum in Verbindung gebracht.

Quelle: Wikipedia

Letzte Aktualisierung dieser Kuriosität: 22.05.2010, 10:19 Uhr

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