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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

1 Das Wissen um Macht

Heute werden im Namen Niccolò Machiavellisfuss 1 Handbücher und Abhaklisten der Macht zum alltäglichen Gebrauch für jeden daher gelaufenen Manager vertrieben. Seine Aussagen polarisieren – und das treibt die Absatzzahlen in die Höhe. Gleichzeitig beschäftigen sich selbst Philosophen und Politikwissenschaftler häufig nur mit seinem »Il Principe«, dem Werk, das nachhaltig das politische Denken der nachfolgenden Generationen geprägt hat. Neben der Bibel ist es eines der meistverbreiteten Bücher der Weltliteratur (vgl. Hoeges Klappentext).

In der Geschichte der Philosophie werden Machiavellis Konzeptionen allerdings öfter kritisiert als verstanden und gerade deshalb ist es ratsam, wenn man neben den weiteren vielen Texten dieses großen Denkers der Renaissance auch einen Blick auf sein Leben als Politiker und Staatsmann wirft. Denn dort lernt er in Theorie und Praxis das Wesen moderner Macht kennen.

Gerade zu Beginn der Neuzeit ist Machiavelli einer der ersten, der begreift, dass die Todesstunde für ein transzendentes Weltverständnis zur Legitimierung des Machtanspruchs bereits geschlagen hat. In einer solchen Welt muss sich Macht behaupten und zwar ohne Hilfe durch eine höhere Gewalt und gegen die stets volatilen Einzelinteressen der Beteiligten. »Dem Blick des Publikums ausgesetzt, gerät die Macht unter die Vielzahl der Perspektiven. "Der Fürst" muss allen alles scheinen, aber nichts mehr sein« (Hoeges Klappentext). Für diese Zwecke muss sich der Herrscher der Ästhetik der Macht bedienen. Der damit inszenierte Schein wird zur Grundlage jeder realistischen Politik.

Niccolò dient etliche Jahre lang dem Stadtstaat Florenz – seiner Republik – als jemand, der die Heimat mehr als alles andere liebt. Sein Ziel ist es, die inneren und äußeren Schwierigkeiten der italienischen Staaten zu überwinden, um sein Heimatland stabilisiert und in neuem Glanz zu sehen (vgl. Viroli Klappentext).

Dabei stößt er auf folgende Fragen: Wie ergreift man die Macht, wie erhält man sie? Wann und aus welchen Gründen verliert man sie? Wie wird aus Gewalt Macht, aus Macht Herrschaft und aus Herrschaft Staat? Er analysiert die Tropfen der menschlichen Begebenheiten, um daraus auf das Ganze der politischen Welt zu schließen. Denn das Wissen um die Macht – und nicht die Macht – ist seine bohrende Leidenschaft bis zu seinem Tod. Es bildet sein ganzes Wesen. Sie ist die Speise, die ihm allein gebührt und für die er geboren ist.

Das Entscheidende ist allerdings, dass Machiavelli einer der wenigen Philosophen ist, der die Menschen so beschreibt, wie sie wirklich sind und nicht so, wie sie sein sollten. Und damit haben viele Leser bis in die heutige Zeit hart zu kämpfen.

Friedrich Nietzsche hingegen ist gute 350 Jahre später geradezu begeistert von solchen Konzeptionen jenseits von Gut und Böse. Er greift einige Aspekte des Florentiners auf und entwickelt sie in seiner Theorie vom Übermenschen weiter. Freilich: ihm geht es weniger um das Wissen um die Macht als vielmehr um den oft zitierten Willen zur Macht, der gewissermaßen als tief greifender Instinkt dem Menschen inne wohnt. Den genauen Zusammenhang erhält der Leser im sechsten Kapitel dieses Textes, doch zuvor widmen wir uns ausführlich dem Schein und der Ästhetik der Macht bei Machiavelli.

 

Fuss       Fussnoten:

1 1469 bis 1527. Eine ausführliche Biografie findet man beispielsweise auf niccolo-machiavelli.de (vgl. Web-Machia).

 

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