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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

2 Der Begriff der politischen Macht

Macht, das Vermögen, »die geistige und körperliche Fähigkeit zu etwas, das Seinkönnen, die Potenz« (Regenbogen 393).

Auf die exakte Verwendung des Machtbegriffs wird in der Umgangssprache, aber auch bei großen Denkern oft kein besonderer Wert gelegt. Machiavelli im Besonderen ist auch nicht sehr interessiert daran, dieses Wort, welches oft in Verbindung mit »Stärke«, »Autorität«, »Kraft«, »Einfluss« benutzt wird, theoretisch zu definieren. Ihm geht es mehr um die Verwendung des hinter diesem Wort Stehenden im konkreten Leben.

Trotzdem ist es für das Verständnis nötig, den Begriff der Macht in seiner geschichtlichen Entwicklung ein wenig genauer zu betrachten:

»Die Macht als philosophisches Problem ist eine sophistische Entdeckung« (Ritter 585). Dort wird bereits eine verbale Handlung in einer ungleichen Situation zwischen zwei gegnerischen Parteien als ein Akt der Macht angesehen. Auch wird bereits in dieser Zeit ein sehr wichtiger Herkunftsaspekt erkannt: »Das Verhältnis der Macht unter Menschen ist ... nicht als unmenschliche Ausnahmesituation zu denken, sondern ist selbst in des Menschen Natur fundiert« (Ritter 586).

Im Gegensatz zu Aristoteles, der die Macht in einer Theorie von Herrschaft und Knechtschaft behandelt, bei der sich die Freien »im Herrschen und Beherrschtwerden ablösen« (Ritter 586), orientiert sich das damalige christliche Verständnis am Paulusbrief: Alle bestehende Gewalt ist immer von Gott eingerichtet und so muss sich jeder dieser Macht unterordnen. Origenes erkennt daran richtigerweise das Problem der ungerechten Gewalt und differenziert schon ein wenig genauer: Macht ist uns zum guten Gebrauch gegeben, ihr Missbrauch ist aber nicht ausgeschlossen (vgl. Ritter 587).

Bei Duns Scotus (13. Jahrhundert) wird Macht als Grundprinzip alles menschlichen Handelns angesehen: »sie verursacht alles, was verursacht werden kann, und es gibt keine zweite letzte Ursache neben ihr« (Ritter 589). In der spanischen Spätscholastik, namentlich bei Soto, wird darin eher ein von Gott eingegebenes »Selbsterhaltungsstreben« gesehen, welches die Menschen zum Zusammenleben zwingt. Dieses wiederum »erfordert die Institutionalisierung von Herrschaftsfunktionen« (Ritter 594). Freilich wird dies so interpretiert, dass Gott über das Naturrecht indirekt eine Ordnung von Machtkonzentration wolle, aber dieser Trieb nach Selbsterhaltung wird uns noch öfters begegnen und ist deshalb nicht zu vernachlässigen.

 

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