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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

3.1 Machiavellis Kindheit und die Medicis

Cosimo di Medici wird nach einer langen, wechselvollen politischen Laufbahn 1434 der Herrscher von Florenz. Sein Geschäftssinn kommt nicht nur seinem Familienclan sondern der ganzen Republik zugute. Neben einer starken Förderung von Künstlern und Gelehrten gelingt es ihm durch seine politische Zähigkeit und seine Kombinationsfähigkeit über die Ängste und Sehnsüchte der Bürger und über die Macht des Geldes einen stabilen »Stato« aufzubauen. Dazu gehört auch die Einbeziehung der Bildung.

Die Medicis bedienen hier Notwendigkeiten, denn die Liebe zur Freiheit und »der Trieb zur Bildung gehören zu dieser Republik« (Marcu 17) wie die Produktion von Geld und von neuen Bedürfnissen für die Handelspartner. Cosimo lässt den Bürgern aber nur »den Schein der Freiheit, ... der Mitbestimmung, ... der Gleichheit ... [und so hat er den] ... Schein als bequemes Mittel der Herrschaft erfunden« (Marcu 15).

Diese von Cosimo ermöglichte verschwenderische Blüte des Wohlstandes findet ihren Höhepunkt zu Zeiten Lorenzos (di Medici). Alles, was in Florenz philosophiert, dichtet und malt ist um »den Prächtigen« versammelt. Dabei proklamiert sich Lorenzo immer als Freund des kleinen Mannes und er lässt »den Bürgern sogar das Vergnügen der Wahl und die noch größere Freude, gewählt zu werden« (Marcu 36). Aber die durch die Urne Erkorenen sind seine Leute und so errichtet er letztlich ein in sich geschlossenes System der Beeinflussung.

Zu diesem Apparat gehört auch ein beamtetes Personal, darunter: Bernardo Machiavelli. Auch für ihn gilt Bildung als soziale Ehre und so ist es nicht verwunderlich, dass sein Sohn Niccolò eine gründliche Ausbildung in den studia humanitas erhält. »Was ihm die Bücher nicht vermitteln, lernt er auf Strassen und Plätzen« (Viroli 21). Schnell lernt er, dass die Menschen die gleichen Leidenschaften haben und so wird die Geschichte zur Lehrmeisterin seines Handelns.

 

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