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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

3.2 Savonarola – eine Sünde gegen die Gelegenheit

Wir befinden uns nun in einem Europa, das sich verändert. Florenz wird von Weltereignissen gesprengt. Fremde Notwendigkeiten verbinden sich mit toskanischen Angelegenheiten: Die Kraft der französischen Monarchie erstreckt sich über ganz Italien. Piero Medici, der Sohn Lorenzos, weigert sich, dem Feldzug Karls Vorschub zu leisten. Andere Fraktionen sind für die Franzosen. Nur ein Mann, der Dominikaner-Mönch Girolamo Savonarola, überblickt die Ereignisse: »Er ist der Einzige, der ... die Wirklichkeit, die schon morgen beginnen wird, erkennt« (Marcu 50f). Für den Prediger ist die erwartete Katastrophe unentrinnbar. Er erhebt die toskanische Republik zum moralischen Prinzip und ruft sie zur Weltempörung auf. Seine Kanzel soll der Berg der Erneuerung sein.

»Savonarola bleibt die einzige Überraschung in Machiavellis Leben« (Marcu 53). Dieser Mönch vermag es, die Menschen ohne Gewalttaten, ohne ein Tyrann zu sein, mit Angst betrunken zu machen. »Seine Macht über Florenz ist eine Macht des Wortes« (Hoeges 148). Diese Epoche ist noch immer stark von Furcht und Todesängsten geprägt und so weiß Savonarola, wie man dem schlechten Gewissen einer eigentlich lebenslustigen Stadtbevölkerung zusetzen kann. Da er nicht auf Waffen oder Militär zurückgreifen kann, spielt er das Wesen des Christentums gegen den Schein aus. Kunstwerke und Luxus aller Art werden zu einer »Inszenierung urbaner Bußspektakel« zusammen getragen: »Die Scheiterhaufen der Kultur brennen ... Mit den Eitelkeiten brennen auch die Medici und ihre Machtkultur« (Hoeges 149).

Am Ende wird der Mönch selbst zum Opfer. Zu sehr vertraut er auf die gläubige Masse. Er nutzt die Gelegenheit nicht aus, sich zu bewaffnen. »Er hatte kein Mittel, sich seiner Gläubigen zu versichern, und keines, die Ungläubigen zum Glauben zu zwingen« (P 36). Die Bürger sind seiner überdrüssig, seine Gegner zu mächtig. Machiavelli sieht in ihm nun »eine einzige große Sünde gegen die Gelegenheit« (Marcu 55). Der Prediger erkennt nicht, dass das Glück wechselt und seine Worte des Terrors nützen letzten Endes nur seinen Gegnern. »Er kann beschwören, aber nicht befehlen, erflehen, aber nicht erzwingen« (Marcu 67).

 

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