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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Saturday, 18.09.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

3.3 Caterina Sforza und die List einer Mutigen

Ab dem Jahre 1498 ist Machiavelli dann im Dienste der Republik und bereits ein Jahr später beginnt seine diplomatische Laufbahn, welche ihn zum Gesprächspartner von Herrschern, Fürsten, Kardinälen, aber auch von Bürgern macht. Eine dieser Personen ist Catharina Sforza – die Herrin von Imola und Forli. Freilich stellt Niccolò als Neuling in diesem Geschäft sehr schnell fest, dass er dieser sehr attraktiven Frau in der Macht der Rhetorik weit unterlegen ist. Ihre Wortgewandtheit bringt ihn völlig aus der Fassung und so ist es wahrscheinlich das letzte Mal, dass wir Machiavelli wutentbrannt, verärgert, nicht als Herr seiner Lage, sehen: »Seither sage ich nie mehr, was ich glaube, und glaube nie mehr, was ich sage, und wenn mir doch einmal ein wahres Wort entschlüpft, verstecke ich es gleich hinter so vielen Lügen, dass es nicht wieder zu finden ist« (Viroli 266). Täuschung und Verstellung sind zu seinen besten Waffen geworden und nicht zu letzt durch die Erfahrungen bei Caterina. Sie durchschaut den Schein der Macht. Trotz dem relativ geringen Erfolg für Florenz ist es ein Zuwachs für den Verfasser des »Il Principe«: Machiavelli nennt es das »Abtasten der Wirklichkeit« (Marcu 87).

Auch ein weiteres Ereignis lässt Machiavelli zu einem Bewunderer dieser Frau werden: Während einer Rebellion gegen Caterina lässt sie als Geisel ihre eigenen Kinder zurück und trommelt ihre entmutigten Anhänger zusammen. Nun wird ihr der Tod der Kinder angedroht, worauf sie nur sagt, sie könnte weitere Kinder gebären. Letztendlich werden die Kinder nicht getötet und sie bleibt die Herrscherin ihrer Gebiete. Machiavelli lernt daran, wie die List einer Mutigen – immer bereit, alles aufs Spiel zu setzen – eine feindliche Armee mit Ohmacht schlägt. Sie ist ein Beispiel dafür, wie man eine Herrschaft trotz aller Widrigkeit der Umstände zu erfüllen mag.

 

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