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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

4.2.1 Die menschliche Kleingläubigkeit

Ein solcher Mangel ist zum Beispiel folgender: »Die Menschen urteilen im allgemeinen mehr auf Grund ihrer Augen als ihres Gefühls« (P 72). Dies liefert einen weiteren Aspekt, warum die Ästhetik der Macht so bedeutend ist, denn »Jeder sieht, wie du zu sein scheinst, wenige fühlen, was du bist« (P 72). »Die Menschen sind so einfältig und gehorchen so den Bedürfnissen des Augenblicks, dass der Betrüger immer solche findet, die sich betrügen lassen« (P 71). Die »Menschen beginnen in ihrer Kurzsichtigkeit mit einer Sache, weil sie Gutes verheißt, und bemerken nicht das darin verborgene Gift« (P 61).

So kann die Erfahrung ihrer Vorfahren oder die Vernunft die Menschen aber auch nicht von ihrem Untergang zurückhalten. Sie leben von der Hand in den Mund und treffen keine Vorkehrungen für die Zukunft »wenn sie im Heute das Glück finden« (P 91). Denn es ist »ein allgemeiner Fehler der Menschen, nicht in den Zeiten der Meeresstille mit dem Sturm zu rechnen« (P 92). Erkennt nun ein guter Fürst wichtige Weichenstellungen für die Zukunft, dann hat er es dennoch schwierig, diese dem Volk zu vermitteln. Dies liegt auf der einen Seite daran, dass »die Menschen fast immer auf gebahnten Wegen gehen« (P 33) und auf der anderen Seite an der »Ungläubigkeit der Menschen: Wirkliches Vertrauen haben sie nicht zu den neuen Verhältnissen, wenn sie diese nicht durch lange Erfahrung gesichert sehen« (P 35). Den Menschen gelingt es selten, sich zu ändern und bei Entscheidungen wählen sie immer den Mittelweg, »den schädlichsten von allen« (D 79).

 

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