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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

4.2.2 Egoismus als Grundprinzip

Der Begriff »Egoismus«fuss 10 wird im »Fürsten« nicht explizit erwähnt, man stellt aber fest, dass Machiavelli ein solches Grundprinzip allen – oder zumindest den meisten – menschlichen Handlungen zugrunde legt. Das Band aus Liebe zwischen den Menschen kann schnell reißen sobald sich ein eigener Vorteil für sie ergibt (vgl. P 69). »Alle, die über Politik schrieben, beweisen es ... [dass man] ... davon ausgehen muss, dass alle Menschen schlecht sind und dass sie stets ihren bösen Neigungen folgen, sobald sie Gelegenheit dazu haben« (D17). »Der Mensch, der Böses tut, macht nur das, wozu ihn die Natur zwingtfuss 11, die angeborenen Elemente seines Leibes und seines Geistes halten ihn wie eine Zange gefangen« (Marcu 45). Etwas differenzierter formuliert könnte man über die meisten Menschen sagen: »Sie sind undankbar, wankelmütig, heuchlerisch, scheuen die Gefahr und sind gewinnsüchtig« (P 69). Man darf sich auch nicht auf ihre Worte verlassen und darf auf keinen Fall den Scheinfreundschaftenfuss 12 trauen, welche gerade in schlechten Zeiten zerbrechen. Dies muss sich auch der Machthaber zu Nutze machen: »Es kann und darf ein kluger Fürst sein Wort nicht halten, wenn es für ihn von Nachteil ist ... Wenn alle Menschen Engel wären, wäre dieser Vorschlag nicht gut; sie sind es aber leider nicht und würden dir nicht Wort haltenfuss 13« (P 71).

einer Verteufelung dieses Egoismus´ kommt und dass es das Ziel eines Fürsten sein müsste, diese scheinbar negative Eigenschaft zu überwinden und selbst besser zu handeln. Machiavelli sieht das nicht so: »Viele haben sich Republiken und Herrschaften erdichtet, die sie in Wahrheit niemals gesehen ... haben. Denn zwischen dem Leben, so wie es ist, und dem Leben, so wie es sein sollte, besteht ein so großer Unterschied ... denn ein Mensch, der in jeder Beziehung für das Gute einstehen möchte, müsste inmitten so vieler schlechter Menschen zugrunde gehen« (P 64).

Letztendlich liegt auch der Grund für die ganzen Machtkämpfe im Land und zwischen den Staaten in diesem Egoismus: Ein kluger Mann kann nur dann seinem Vaterland nützen, »wenn er dank seines guten Charakters und seiner Tüchtigkeit den Neid besiegt hat, der häufig die Ursache ist, warum die Menschen nichts Rechtes zustandebringen können; denn der Neid verhindert, dass sie die Macht erhalten« (D 366). Dieses Problem wäre nicht so erheblich, »wenn die Menschen sich damit begnügten, von dem zu leben, was sie haben, und nicht danach strebten, anderen ihren Willen aufzuzwingen« (D 9). Die daraus resultierende bürgerliche Zwietracht kann jedes Reich – und sei es noch so mächtig – zugrunde richten.

 

Fuss       Fussnoten:

10 Sicherlich könnte man in den Schriften Machiavellis das Wort »Ehrgeiz« (welches er häufig verwendet) stets durch »Egoismus« ersetzen, wobei Egoismus in seinem Sinne vermutlich ein umfangreicherer Begriff ist und Ehrgeiz sich greifbarer beziehungsweise äußerlich erkenntlicher zeigt.

11 Hoeges meint dazu, »dass ihm [Machiavelli] die Natur nicht das Maß der Dinge ist. Was natürlich ist, ist weder zwangsläufig gut noch schön. Das ist der Grund, warum nicht Natur nachzuahmen ist, sondern Geschichte und auch sie nur selektiv« (Hoeges 206).

12 Im engeren Sinne »bezahlte« Freundschaften.

13 Ausgabe von J. G. Regis: » wären die Menschen alle gut ... / ... weil sie aber schlimm sind« (S. 71).

 

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