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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Saturday, 18.09.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

4.4.1 Die Bedeutung der Perspektive

Eines ihrer bevorzugten Mittel ist dabei die Perspektivefuss 19. Im Gegensatz zu früheren Werken, wo die Motive nach ihrer Bedeutung platziert wurden, werden sie jetzt so angeordnet, dass der Betrachter aus unterschiedlichen Perspektiven einen relativ realistischen Blickwinkel einnehmen kann. Dies hat im übertragenen Sinne auch politische Folgen: Die Herrschenden sind nicht mehr durch eine göttliche Macht legitimiert (vgl. Kapitel 2), sie müssen sich ihre Legitimation aus eigener Kraft schöpfen. Der unvereinbaren Perspektive von Volk und Adel und der Unmöglichkeit einer einzigen politischen Wahrheit muss standgehalten werden. »Il Principe« ist der Perspektive ausgesetzt, wird sozusagen beobachtet und muss seine Beobachter von sich überzeugen. Je größer aber deren Anzahl, je unterschiedlicher die Perspektiven, desto schwieriger wird die Verkörperung der Macht. »Die Diffusion der Perspektiven löst die Figur des Fürsten auf, zerstäubt seine Identität« (Hoeges 81). Im Kapitel 4.5 werden wir sehen, wie ein kluger Fürst diesem Dilemma entgehen kann.

 

Fuss       Fussnoten:

19 »Die genaue Kenntnis der Gesetze der Perspektive ist eine Errungenschaft der italienischen Frührenaissance und wurde erst im 15. Jahrhundert auch theoretisch begründet ... In der Zeit um 1400 begannen italienische Renaissance-Künstler ein intuitives Verständnis für Raumtiefe zu entwickeln, doch erst der florentinische Baumeister Filippo Brunelleschi entdeckte nach einer Reihe von Experimenten, die er zwischen 1417 und 1420 durchführte, das Verfahren der zentralperspektivischen Projektion. Die florentinischen Maler Masaccio und Paolo Uccello gehörten zu den Ersten, die Brunelleschis Regeln auf die Malerei anwandten und die ersten zentralperspektivischen Gemälde schufen« (Microsoft Encarta Enzyklopädie 2003).

 

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