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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

4.4.2 Die Rolle der Darstellung und der Medien

Vorerst wird die Aufgabe der Darstellung der Macht aber Dritten überantwortet: Künstler übernehmen die Gestaltung. Sie arbeiten für den Fürsten, indem sie ihn in einem angebrachten Licht erscheinen lassen. Maß, Proportion und Harmonie prägen seine Gestalt. Sein Anblick muss überzeugen und Anspruch sowie Wirklichkeit der Macht repräsentieren. Eine neue Identität des Herrschenden muss konstruiert werden. Diese muss einfach zu verstehende Erkennungsmerkmale für alle Gruppen aufweisen, welche darstellbar und vermittelbar sind, damit sie unter den unterschiedlichsten Perspektiven nicht aufgelöst wirdfuss 20. Nicht der Fürst selbst legt hier Hand ans Werk, sondern alle seine Helfer – und das auf den unterschiedlichsten Wegen. So überredet zum Beispiel Machiavelli – welcher auch Kontakt zu Leonardo da Vinci hat – den großen Bildhauer Michelangelo Buonarroti, seine berühmte Davidsstatue auf den Platz vor der Signoria aufzustellen, um damit unterschwellig die Florentiner Bevölkerung für seine Bürgermiliz zu bewerben. »Wo also Natur nicht ausreicht, helfen Kunstfertigkeit und Einfallsreichtum« (Hoeges 193). Dies ist eine Aufgabe der Medien, vor allem auch in heutiger Zeit.

Machiavelli ist sich dieser Ästhetik mit Sicherheit bewusst. Er nimmt die Leistungen der Künstler auf und fundiert durch sie den Wahrheitsanspruch für »Il Principe«, welcher »in Kenntnis der Perspektive geschrieben« (Hoeges 80) ist. Zum ersten Mal spielen die Perspektive und die daraus folgende Ästhetisierung bei der philosophisch-literarischen und vor allem politischen Darstellung der Wirklichkeit eine entscheidende Rolle.

Selbstverständlich versteht Niccolò dabei hervorragend, diese Perspektiven für sich arbeiten zu lassen. Er kann seine Standpunkte, seine Rollen wechseln, den Überblick vergrößern: »Da ich ... auf Italien gekommen bin, ... will ich das Problem von seinen Anfängen an behandeln, damit man es besser lösen kann« (P 57). Sturz, Haft, Folter und Verbannung können ihn von seinem vielseitigen Schaffen nicht abhalten, stärken ihn vielleicht sogar. Er kann am richtigen Ort zur richtigen Zeit seine Gefühle verbergen. Und obwohl er von ganz unten kommt, kann er vermitteln, dass er – gerade weil er dem Volk angehört – einen Beitrag zur Macht der Fürsten leisten kann, »denn wie die Landschaftszeichner sich unten in die Ebene stellen, um die Beschaffenheit der Berge und Höhen zu betrachten, und hoch auf die Berge steigen, um das Land der Täler zu schauen, so muss man Fürst sein, um das Wesen des Volkes zu verstehen, und muss dem Volke angehören, um den Charakter der Fürsten zu begreifen« (P 19). Diese wortgewandte Souveränität Machiavellis zeigt, dass die Macht der Rhetorik höher als die Macht des Wirklichen ist. Der Schein ersetzt die Wirklichkeit, wobei wiederum die Ästhetik der Macht diesen Schein der Macht erzeugt.

 

Fuss       Fussnoten:

20 Man denke hier nur an Wahlkampfwerbung!

 

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