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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

4.5.1 Der Schein als Bindemittel zwischen Wirklichkeit und Image

Warum dieser Schein eigentlich nötig ist, wissen wir, seitdem Niccolò darauf aufmerksam gemacht hat, dass auch positive Handlungen zu einem Hass führen können. Ein weiterer Punkt ist aber von größerer Bedeutung:

»Allen Menschen ... werden Eigenschaften zugesprochen, die ihnen Tadel oder Lob einbringen« (P 64f). So wird der eine als ehrlich, der andere als verlogen eingestuft. Andere gelten gerecht, friedlich, freundlich, bösartig, wild, offen, herzlich, kameradschaftlich, dick, dünn, schön, hässlich, ... Diese Palette ließe sich unendlich fortsetzen. Man könnte also vom so genannten Image sprechen, welches jedem Menschen in gewisser Weise durch seine Umgebung und insbesondere durch das Erblickt-Werden durch Anderefuss 21 zugeordnet wird. Klarerweise stimmt dieses Bild nicht immer mit der Realität der Person überein. »Jeder sieht, wie du zu sein scheinst« (P 72) kann an dieser Stelle nur wiederholt werden. Freilich sollte man dennoch diejenigen Eigenschaften besitzen, welche in der Bevölkerung positiv belegt sind. Das Verhältnis von Wirklichkeit und Modell kann aber nur approximativ sein. Das Volumen dieses Modells der Vereinigung aller positiven Eigenschaften in einer Person ist real nicht zu erreichen. Der Grund hierfür liegt zum Großteil auch an den verschiedenen Perspektivenfuss 22. Dennoch können die nicht abgedeckten Bereiche nicht einfach weggelassen werden. Gefordert ist die scheinbare Allkompetenz – das »Als-ob« des Rundum-Könnens. Hier setzt die Funktion des Scheins ein. Er muss Modell und Tatsache zur Kongruenz bringen, das reale Mangelwesen des Herrschers ergänzen. Der Schein dient dem Zweck, mangelhafte Wirklichkeit auszugleichen. Er wird zum wesentlichsten Bestandteil der Macht.

 

Fuss       Fussnoten:

21 Man denke hier insbesondere auch an den »Blick« bei Sartre.

22 Beispiel: Ein Staatsoberhaupt muss so erscheinen, als wäre er der Freund der Gewerkschaftler und gleichzeitig der Arbeitgeber, um sich nicht bei einer der beiden Gruppe unbeliebt (besser: verhasst!) zu machen.

 

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