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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Saturday, 18.09.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

4.5.3 Der Fürst als Täuscher und Heuchler

Zu jeder Zeit muss der erfolgreiche Mensch also »ein großer Versteller, ein begabter Simulant, ein eindringlicher Kenner der Gelegenheit, ein virtuoser Nutznießer aller Schwächen, ein Berechner der Vergesslichkeiten, ... ein gewandter Jongleur mit Idealen ... und ein Anbeter der Gewalt sein« (Marcu 42). Die Fähigkeit, den Schein zu erzeugen, wird zur entscheidenden Qualität. Sie zeichnet »virtù« aus. Die Tugendhaftigkeit an sich wird zum Selbstläufer: »Diese steht in so hohem Ansehen und ihr Vorbild wirkt so mächtig, dass die Guten ihr nachstreben und die Bösen sich schämen, einen entgegengesetzten Lebenswandel zu führen« (D 277).

Der Fürst muss folglich alles werden können, alles vorgeben können es zu sein und von allem auch das Gegenteil können. Jede Perspektive muss eingenommen werden können, jeden Standpunkt muss er gleichzeitig bedienen. »Die Macht erfordert den Schein, die Inszenierung, die Wirkung, den Effekt« (Hoeges 186). Diese zweite, fast schon künstliche Maske, Rolle oder Haut des Machtmenschen tritt in den Vordergrund. »Il Principe« ist der »gran simulatore e dissimulatore«, der große und flexible Täuscher und Heuchler. »Moral und Ethik sind nachgeordnet, sie werden zu Funktionen der Politik, der Macht« (Hoeges 186).

 

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