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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Saturday, 18.09.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

5.1 Machiavellismus

Wie gesagt, Machiavelli wird oft kritisiert: Obwohl Papst Clemens VII die Herausgabe des »Fürsten« billigt, werden bereits 1539 Heinrich VIII und sein Minister Thomas Cromwell als »Befolger der teuflischen Ratschläge des Florentiners« (Fenske 251) denunziert. Ein viertel Jahrhundert später kommen die Schriften auf den römischen Index der verbotenen Bücher. Sie gelten als klassische Handbücher tyrannischer Machtpolitik und ihr Autor wird als skrupellos und verworfen geschmäht. »Il Principe« wird als höllische Ausgeburt brutaler und hinterhältiger Machtpolitik gebrandmarkt. Fortan wird der Name Machiavelli instrumentalisiert. Er steht für Boshaftigkeit, Skrupellosigkeit. Im englischsprachigen Raum etabliert sich sogar der Begriff »Old Nick« (von Niccolò) als Bezeichnung für den Teufelfuss 25. Noch heute findet man in diversen Lexika unter dem Stichwort »Machiavellismus« eine allgemeine Bezeichnung für eine durch keinerlei moralische Bedenken gehemmte Machtpolitik.

Der wohl bekannteste Kritiker Machiavellis ist Friedrich II. im 18. Jahrhundert. Er hält der düsteren Anthropologie des Florentiners die Theorie einer besseren Natur des Menschen entgegen sowie ein Ethos der Fürstenpflicht, bei der die Moral über die Vernunft gestellt wird: Der Fürst muss gütig, menschlich und mitempfindend seinfuss 26. Solche Aussagen sind aber zu kurz gedacht: »Der "Antimachiavel" des preußischen Kronprinzen ist in seiner selbstgerechten und vollmundigen Borniertheit ein eindrucksvolles Dokument der mitunter sehr engen Grenzen aufklärerischen Verstehens ... Der "Antimachiavel" sagt viel über den preußischen Kronprinzen aus, nichts über Machiavelli« (Hoeges 25).

Bis ins 20. Jahrhundert hinein fehlt es nicht an Versuchen, Machiavelli in eine bestimmte Richtung zu drängen, ihn als eine Art Vorläufer der faschistischen Ideologien Italiens und Deutschlands zu sehen. Diese Anhänger sollten besser noch einmal genauer nachlesen. Ihre politische Erfolglosigkeit ist der beste Beweis dafür.

 

Fuss       Fussnoten:

25 Dennoch haben die Autoren der »Federalist Papers« aus der republikanischen Tradition des »Discorsi« ihre Argumentationspunkte für die amerikanische Verfassung bezogen (vgl. Stammen 304).

26 Wie das wohl mit dem Angriff Friedrichs auf Polen im selben Jahr zusammen geht? Vielleicht hat Friedrich seinen »Antimachiavel« ja nur geschrieben, um den Schein des friedfertigen Fürsten auszustrahlen!?

 

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