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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

5.2.1 Botero, Bodin und Bacon

Ein wichtiger Aspekt ist dabei der Begriff der »Staatsräson«. Dieser bedeutet Rationalisierung im doppelten Wortsinne und Legitimierung von politischen Wachstumsphänomenen, welche den Herrscher berechtigen, sich im Interesse des Gemeinwesens notfalls über Recht und Moral hinwegzusetzen. Freilich werden damit sofort Machiavellis Beobachtungen in Verbindung gebracht, obwohl der Begriff an sich erst bei Giovanni Boterofuss 27 benutzt wird: »Staatsräson ist Kunde von Mitteln, die geeignet sind, eine Herrschaft zu begründen, zu erhalten und zu erweitern« (Fenske 252)fuss 28.

Auch Bodinfuss 29 ist mit seinen Ratschlägen zum politischen Handeln nicht weit von Machiavelli entfernt, angefangen mit der Prämisse: »ein schlechter Mensch ist ein guter König« (Fenske 301). Auch er hat durch die Umstände seiner Zeit die wesenhafte Boshaftigkeit der Menschen empfunden. Die schlimmste Tyrannei kann nicht schlimmer als ein Bürgerkrieg sein und daraus zieht er seine systematischen Konsequenzen. Solange es kein stabiles Gemeinwesen gibt, herrschen nur Machtgier, Habsucht und Rachedurst, ein Kampf der einzelnen Gruppen ist unausweichlich. So entsteht der Staat als Garant von Frieden nach innen und von Schutz nach außen. Gewalt und Heuchelei dürfen aber dennoch nur im Rahmen der Staatserhaltung und nicht zwecks unnötiger Machterweiterung verwendet werden. Das Recht hat den Vorrang, es wird selbst zum Staatszweck. Diese Gesetzgebungshoheit ist für Bodin der Inbegriff der Souveränität, was ihm zum Begründer des so genannten »Absolutismus« macht.

Auch Francis Baconfuss 30 lehnt nur wenige extreme Ratschläge Machiavellis ab. Bei ihm findet man eine zum Teil offene Entlehnung aus den Texten des Florentiners (vgl. Fenske 252). Was bei Machiavelli das rechtzeitige Erkennen der Notwendigkeiten ist, bedeutet bei Bacon, die Ursachen eines Sachverhalts zu verwenden, um dann die Wirkungen Erfolg versprechend als Zwecke zu setzen. Wissen wird zu Macht und unter dieses Wissen fällt vor allem auch die Kenntnis und Beherrschung der Natur des Menschen. Diese wird zum Schlüsselphänomen politischer Macht (vgl. Ritter 595).

 

Fuss       Fussnoten:

27 1540 bis 1617

28 »Als bedeutendster Verfechter der Idee der Staatsräson gilt unbestritten der florentinische Staatsdenker Niccolò Machiavelli. Dieser verklausuliert jedoch ... [seine] Strategie der Herrschaftserhaltung, indem er sich der nicht ganz eindeutigen Begriffskonstruktion ... der Aufrechterhaltung des Staates« (Wiki-Räson) bedient.

29 1529 bis 1596

30 1561 bis 1626

 

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