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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Monday, 17.05.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

6.4 Herrenmoral und Sklavenmoral

»Höheres ... muss der Wille wollen, welcher der Wille zur Macht ist –: doch wie geschieht ihm das« (Z 117)? Von diesem Ausgangspunkt stellt Nietzsche dem gewöhnlichen, dem alltäglichen Menschen, diesem Herdentier, das Ideal des »Übermenschen« gegenüber. In ihm »soll eine stärkere Art, ein höherer Typus ans Licht treten, der andre Entstehungs- und andre Erhaltungsbedingungen hat als der Durchschnitts-Mensch« (M 589). Denn Wille zur Macht ist Wille zum Herrschen, und die vornehmste Herrschaft ist die des Menschen über den Menschen. Er entwickelt sein neues Kulturideal aus dem Gegensatz der »Herrenmoral« gegen die »Sklavenmoral«. Alle Brutalität des Niedertretens, alle Entfesselung der elementaren »Bestie« erscheint hier als Recht und Pflicht des Starken: er entfaltet, er verteidigt die Energie des Lebens gegen die Kümmerlichkeit der Entsagung und der Demut, er »kann nur aus furchtbaren und gewaltsamen Anfängen emporwachsen« (M 592). Derjenige, »der die Werte bestimmt und den Willen von Jahrtausenden lenkt, dadurch dass er die höchsten Naturen lenkt, ist der höchste Mensch« (M 657)!

Die Herrenmoral ist also denjenigen vorenthalten, die aus einem dionysischem Überschwall heraus in der Lage sind, wie ein Künstler zu gestalten und Neues zu schöpfen, wie »Il Principe« ein Volk aufblühen zu lassen und alle Fähigkeiten in geballter Kraft zu nutzen. Im Gegensatz dazu die »Wurzel alles Üblen: ... sklavische Moral der Demut, Keuschheit, Selbstlosigkeit, absolute[r] Gehorsam« (M 592). Diese Art entwickelt sich in erster Linie aus einem rein reaktionären Ressentiment der Nicht-Herrschenden heraus: »die Sklaven-Moral bedarf, um zu entstehn, immer zuerst einer Gegen- und Außenwelt, sie bedarf ... äußerer Reize, um überhaupt zu agieren, – ihre Aktion ist von Grund aus Reaktion« (GM 278). Aus einer von Neid durchzogenen Schwäche heraus setzen die Unterprivilegierten alles daran, die Überlegenen anzuprangern und sich selbst in Abgrenzung dazu als gut – weil nicht böse – zu definieren: »die Elenden ..., die Armen, Ohnmächtigen, Niedrigen sind allein die Guten, die Leidenden, Entbehrenden, Kranken, Hässlichen sind auch die einzig Frommen ... – dagegen ihr, ihr Vornehmen und Gewaltigen, ihr seid in alle Ewigkeit die Bösen, die Grausamen, die Lüsternen, die Unersättlichen« (GM 276).

 

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