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Robert Bauer
- Haßmersheim -
Druckausgabe der Webseite: www.robert-bauer.eu (Druck: Saturday, 18.09.2021)

Der Schein und die Ästhetik der Macht bei Machiavelli und Nietzsche

7 Wege jenseits von Gut und Böse

Jacob Burckhard schreibt über Machiavelli mit einem sicherlich nicht unwesentlichen Einfluss auf Nietzschefuss 40: »Von allen jedoch, die einen Staat meinten konstruieren zu können, ist Machiavelli ohne Vergleich der Größte. Er fasst die vorhandenen Kräfte immer als lebendige, aktive, stellt die Alternativen richtig und großartig und sucht weder sich noch andere zu täuschen ... Seine politische Objektivität ist allerdings bisweilen entsetzlich in ihrer Aufrichtigkeit ... Wie sehr er sich auch, nach der Art der meisten, in Sitte und Rede gehen ließ - das Heil des Staates war doch sein erster und letzter Gedanke« (Web-Machia >1739).

Als Humanist und Intellektueller erschließt Niccolò Machiavelli neues Terrain. Als Umwerter aller Werte räumt Friedrich Nietzsche die nach wie vor unbrauchbaren Trümmer auf altem Gebiete der philosophischen Lehre beiseite. Beide sind sich der Risiken bewusst. Dennoch führen die Folgen immer zu einem beispiellosen Kesseltreiben der Repräsentanten und Künder der jeweils herrschenden Moral.

»Il Principe« zeigt seinen Autor, der das Licht der aufziehenden Moderne wahrnimmt wie kein anderer. Er setzt zur Analyse und Konstruktion eines neuen Typus von Macht und Herrschaft an, der alle Resttatbestände tradierter Legitimationen hinter sich lässt. Es bleiben Moralen, die nichts anderes sind als Funktionen der Politik. Der moderne Herrscher braucht von nun an den Schein der Allkompetenz. Diesen Schein zu erzeugen übernehmen die Mittler aus Literatur, Kunst und Wissenschaft, die zu Medien der Macht werden. Sie arbeiten unablässig an der Produktion des Scheins. Schwindet der Schein, schwindet die Macht.

In Friedrich Nietzsche findet Machiavelli einen gedanklichen Freund. Der eine entwirft auf der Grundlage seine Erfahrungen einen »principe nouvo«, der andere über den Willen zur Macht den »Übermenschen«. Beide sind im realen Leben – wenn nicht gar überhaupt nicht – nur annähernd zu erreichen.

Der Weg, den Machiavelli und Nietzsche gehen, bewegt sich in Regionen jenseits von Gut und Böse – ohne herkömmliche Moral und ohne vorgeschobene Vorurteile. Und so schließe ich mit dem explizit ausgesprochenen Wunsch beider, am Ende ihres Weges lieber in die Hölle als in den Himmel zu kommen. Warum? Im Himmel fehlen schließlich alle interessanten Menschen und beide würden sich deshalb dort nur langweilen (vgl. M 594 und Viroli 11).

 

Fuss       Fussnoten:

40 Bereits mit erst 24 Jahren ist Nietzsche in Basel zeitweise Professorenkollege von Burckhard und verfolgt aufmerksam dessen philosophische und politische Untersuchungen. In Burckhard sieht der junge Wissenschaftler einen seiner größten Lehrer (vgl. Wiki-Burckh.).

 

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